Autonome Lkw: Vision wird Wirklichkeit

Autonomes Fahren ist längst mehr als eine Vision. Auf den Highways in Texas sind autonome Trucks bereits wie reguläre Flottenfahrzeuge unterwegs. International und PlusAI zeigen mit ihren gemeinsamen Testläufen, wie TRATON das autonome Fahren von einer reinen Zukunftstechnologie zu skalierbaren, praxisreifen Logistiklösungen weiterentwickelt.

Für einen Autofahrer auf der Interstate 35 zwischen Laredo und Dallas wirkt der Truck vor ihm völlig unauffällig. Er hält die Spur, wahrt den Abstand und fügt sich nahtlos in den Verkehr ein. Auf den ersten Blick scheint es ein gewöhnlicher Lkw der International LT-Serie zu sein – doch bei genauerem Hinsehen wird klar: Die Person auf dem Fahrersitz berührt das Lenkrad nicht. Das Fahren übernimmt vollständig die KI-basierte autonome Fahrsoftware SuperDriveTM von PlusAI.

Praxisbetrieb in Texas

Mit ihren autonomen Testfahrten in Texas kommen International und PlusAI dem skalierbaren, kommerziellen Einsatz von Level-4-Hub-to-Hub-Lkw innerhalb der TRATON GROUP entscheidend näher. Schwerpunkt des Testprogramms ist die Validierung des Gesamtsystems aus Fahrzeug und Software unter realen Einsatzbedingungen. Von PlusAI kommt dabei die KI-basierte Intelligenz für Wahrnehmung, Vorhersage und Planung. International bringt seine Kompetenz in Fahrzeugentwicklung, Industrialisierung, Kundenbeziehungen und Serviceinfrastruktur ein.

Amisha Vadalia, Vice President of Operations and Program Management bei PlusAI

„Wir setzen auf langfristigen Erfolg. Jeder gefahrene Kilometer in Texas macht unser Produkt besser.“

Amisha Vadalia, Vice President of Operations and Program Management bei PlusAI

Autonome Lkw mit Potential

„Ein autonomes Fahrzeug schafft dann einen Mehrwert, wenn es sich wie ein Serienfahrzeug verhält – nicht wie ein Prototyp“, sagt James Cooper, Head of Autonomous Solutions bei International. Lkw fahren nach festen Fahrplänen und nicht nach technischen Zeitplänen. Sie interagieren mit Betriebshöfen, Laderampen und digitalen Flottensystemen. Dadurch rückt die „weiche Seite“ in den Fokus – all jene Aufgaben, die ein Fahrer jenseits des reinen Fahrens übernimmt. „Wenn diese Elemente nicht funktionieren, gehen die Effizienzgewinne vom autonomen Fahren verloren“, so Cooper.

Der Fernverkehr ist heute nach wie vor durch Vorgaben zu Lenk- und Ruhezeiten sowie durch den zunehmenden Fahrermangel eingeschränkt. Autonome Lkw haben das Potenzial, das zu ändern: Sie ermöglichen einen planbaren, kontinuierlichen Betrieb innerhalb klar definierter Einsatzgrenzen – bei gleichzeitig hohem und konstantem Sicherheitsniveau.

James Cooper, Head of Autonomous Solutions bei International

„Ein autonomes Fahrzeug schafft dann einen Mehrwert, wenn es sich wie ein Serienfahrzeug verhält – nicht wie ein Prototyp.“

James Cooper, Head of Autonomous Solutions bei International

Für den weltweiten Einsatz konzipiert

Das aktuelle Testprogramm konzentriert sich darauf, das Zusammenspiel der Software von PlusAI und der Fahrzeugplattform von International in unterschiedlichen Umgebungen zu validieren. „Wir bewegen uns weg von klassischer Forschung und Entwicklung hin zu konkreten Schritten in Richtung Serienproduktion. Vom Aufbau eines gemeinsamen Sicherheitskonzepts hin zu strukturierten Straßentests mit einem Pilotkunden“, erklärt Amisha Vadalia, Vice President of Operations and Program Management bei PlusAI.

Die Zusammenarbeit in den USA geht dabei über lokale Tests hinaus: Sie schafft die Grundlage für den Einsatz autonomer Technologien in der gesamten TRATON GROUP. Zwar erfolgt die Einführung in Nordamerika, doch die Architektur ist von Beginn an für den globalen Einsatz ausgelegt und soll perspektivisch in das TRATON Modular System integriert werden. Erkenntnisse aus einem Markt beschleunigen so den Fortschritt über alle TRATON-Marken hinweg.

Bereit für den kommerziellen Einsatz

Die Entwicklungsteams von International und PlusAI arbeiten täglich eng zusammen – an der Integration und Sicherheit, bei der Validierung und im Betrieb. „Unsere Stärken ergänzen sich“, erklärt Vadalia. „Dies ist keine rein geschäftliche Lieferantenbeziehung, wir investieren in einen gemeinsamen, langfristigen Fahrplan.“ Sowohl Cooper als auch Vadalia erwarten, dass Level-4-Hub-to-Hub-Anwendungen in den kommenden Jahren operativ rentabel sein werden. Kommerzielle Lösungen sollen noch in diesem Jahrzehnt spürbare Vorteile bringen. Die Rolle des Menschen wird sich dabei verändern – vom klassischen Fernfahrer hin zu qualifizierteren Aufgaben in Überwachung, Hofbetrieb, Flottenmanagement und bei der Lösung von Sonderfällen.

Industrialisierung im großen Maßstab

„Wir setzen auf langfristigen Erfolg“, sagt Vadalia. „Jeder gefahrene Kilometer in Texas macht unser Produkt besser.“ Cooper ergänzt: „Wir zeigen nicht nur, dass autonomes Fahren funktioniert – wir bauen die Prozesse und Systeme auf, die für eine industrielle Umsetzung in großem Maßstab notwendig sind.“

Autonomes Fahren bei TRATON

Autonomes Fahren ist ein zentraler Bestandteil der TRATON-Strategie. Es bietet Lösungen für zentrale Herausforderungen wie Fahrermangel, Umweltbelastung und Verkehrssicherheit (mehr über autonomes Fahren bei TRATON). Parallel zu den Tests in Texas führt die Gruppe autonome Technologien über alle Marken hinweg und in einer Vielzahl von Anwendungen ein – von Stadtbussen über Muldenkipper bis hin zu landwirtschaftlichen Fahrzeugen.

Beispiele von den Marken:

Scania: Fahrerlos unterwegs unter extremen Bedingungen
Scania

Scania hat in Valsberga, Schweden, eine Anlage speziell zur Erprobung und Entwicklung autonomer Bergbaulösungen eröffnet. Der Teststandort ermöglicht es, die Fahrzeugleistung kontinuierlich zu testen, Ladezyklen zu optimieren und Software zu validieren, um einen reibungslosen Betrieb ohne Sicherheitsfahrer zu ermöglichen.

Der Bergbau eignet sich besonders für autonome Fahrzeuge mit Level 4: Die Routen sind stets gleich, die Infrastruktur kann gezielt auf die Fahrzeuge abgestimmt werden und der Betrieb rund um die Uhr bietet eine erhebliche Produktivitätssteigerung. Die Anlage wird die Zeit von der Entwicklung im Labor bis zum Einsatz im realen Bergbau erheblich verkürzen.

MAN: Autonome Busse für die Städte von morgen
MAN

In Deutschland testet MAN mit dem Projekt MINGA autonome Elektrobusse in München und mit dem Projekt BeIntelli in Berlin. In beiden Fällen kommt der MAN Lionʼs City E zum Einsatz. Die Busse sind mit moderner Sensor- und Computertechnologie ausgestattet, sie sollen ab 2030 einen voll automatisierten Betrieb erreichen und in Serie gehen.

Die Marke testet die autonomen Elektrobusse gemeinsam mit lokalen Partnern und Sicherheitsfahrern an Bord. Die Fahrzeuge bewegen sich auf festgelegten innerstädtischen Routen und integrieren sich dabei reibungslos in den Verkehr. Das Projekt soll zeigen, wie hochautomatisierte Fahrzeuge den öffentlichen Personennahverkehr sicherer, effizienter und besser zugänglich machen können.

Volkswagen Truck & Bus: Autonome Präzision in der Landwirtschaft
VW Truck & Bus

In Brasilien erprobt Volkswagen Truck & Bus, wie autonomes Fahren die Agrarlogistik verändern kann. Die Marke testet ein autonomes Unterstützungsfahrzeug, das Mähdreschern mit zentimetergenauer Präzision folgt. Das Fahrzeug fährt neben Erntemaschinen, passt seine Fahrbahn und Geschwindigkeit automatisch an, wenn es sich mit dem Erntegutfluss synchronisiert.

Das minimiert Ernteverluste, steigert die Effizienz während der Erntesaison und reduziert die körperliche Belastung für die Arbeiter. Die Fähigkeit des Systems, immer wiederkehrende Aufgaben zuverlässig auszuführen, macht es besonders geeignet für große landwirtschaftliche Betriebe, die mit Arbeitskräftemangel konfrontiert sind.