Prognose-, Chancen- und Risikobericht

    1. Prognosebericht

    Dieser Prognosebericht beschreibt die Einschätzungen zur erwarteten Entwicklung der bedeutsamsten Leistungsindikatoren der TRATON GROUP für das Geschäftsjahr 2026. Diese Einschätzungen basieren auf Prämissen zur Entwicklung der Chancen und Risiken, der Gesamtwirtschaft sowie der für uns bedeutsamsten Lkw- und Bus-Märkte. Die dargestellten Einschätzungen für den künftigen Geschäftsverlauf orientieren sich darüber hinaus an den Zielsetzungen unserer Segmente. Entwicklungen, die gegen unsere Prämissen und Erwartungen laufen, können zu entsprechenden Anpassungen der Prognose führen. Risiken und Chancen, die eine Abweichung von den prognostizierten Entwicklungen bewirken könnten, stellen wir im Abschnitt Chancen- und Risikobericht dar.

    Erwartungen zur Gesamtwirtschaft

    Wir gehen davon aus, dass die globale Wirtschaft im Jahr 2026 mit einer ähnlichen Dynamik wachsen wird wie im Vorjahr. Eine weiter rückläufige Inflation in wichtigen Wirtschaftsregionen und eine daraus resultierende fortgesetzte Lockerung der Geldpolitik sollten sich positiv auf die private Nachfrage auswirken. Eine rückläufige Inflation und niedrigere Zinsen sind generell auch vorteilhaft für die Lkw-Märkte. Risiken sehen wir weiterhin in einer zunehmenden Fragmentierung der Weltwirtschaft, in protektionistischen Tendenzen, in Turbulenzen auf den Finanz-, Energie- und Rohstoffmärkten sowie in strukturellen Defiziten einzelner Länder. Die Wachstumsaussichten werden zudem von anhaltenden geopolitischen Spannungen und Konflikten belastet. Risiken bergen insbesondere der Russland-Ukraine-Konflikt, die angespannte Lage im Nahen Osten sowie zunehmende Unsicherheiten im Zusammenhang mit der wirtschaftspolitischen Ausrichtung der USA und der globalen Zunahme geoökonomischer Maßnahmen, die geopolitische Spannungen weiter verschärfen können. Wir gehen davon aus, dass die fortgeschrittenen Volkswirtschaften im Durchschnitt eine ähnliche und die Gruppe der Schwellenländer eine leicht niedrigere Dynamik aufweisen werden als im Berichtsjahr. 

    Erwartungen zur Branchenentwicklung

    Wir erwarten in den für die TRATON GROUP bedeutsamsten Lkw- und Bus-Märkten (EU27+3, Nordamerika und in Südamerika) nach einem Rückgang im Vorjahr in Summe eine Stabilisierung im Jahr 2026 mit einer Tendenz ins Positive. In Anbetracht der zuvor genannten zahlreichen Risiken agieren wir weiter in einem sehr volatilen gesamtwirtschaftlichen Umfeld. Diese Risiken könnten sich signifikant auch auf unsere Branche auswirken.

    In der Region EU27+3 erwarten wir für die Neuzulassungen von mittelschweren und schweren Lkw (>6 t) einen leichten Anstieg. Für den Markt in Nordamerika rechnen wir ebenfalls mit einem leichten Anstieg, wobei die Unsicherheit aufgrund der Zollpolitik in dieser Region besonders groß ist. Für Südamerika hingegen wird ein moderater Rückgang des Lkw-Marktes prognostiziert.

    Mit unserem neuen Werk in Rugao gewinnt der chinesische Markt für uns weiter an Bedeutung. In China erwarten wir für den schweren Lkw-Markt (>16 t) einen leichten Rückgang in 2026.

    Auf den für die TRATON GROUP bedeutsamsten Bus-Märkten (EU27+3, Nordamerika und Südamerika) gehen wir im Jahr 2026 insgesamt von einem leichten Rückgang aus, mit jeweils unterschiedlichen Ausprägungen. In der Region EU27+3 erwarten wir nach einem Rekordjahr 2025 einen moderaten Rückgang. In Nordamerika rechnen wir mit einem spürbaren Anstieg der Neuzulassungen. In Südamerika rechnen wir nach einem spürbaren Anstieg im Berichtsjahr mit einem erheblichen Marktrückgang.

    Wechselkursentwicklung

    Für 2026 erwarten wir eine Aufwertung des Euro im Verhältnis zum US-Dollar und zum britischen Pfund. Für die schwedische Krone erwarten wir eine Seitwärtsbewegung gegenüber dem Euro. Der brasilianische Real und der mexikanische Peso sollten annahmegemäß in unterschiedlichem Ausmaß gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung abwerten.

    Zinsentwicklung

    Nachdem im Jahr 2025 in fast allen großen westlichen Industrieländern und in vielen Schwellenländern Leitzinssenkungen zu verzeichnen waren, wird die weitere Veränderung der Leitzinsen in 2026 in den jeweiligen Ländern von der weiteren Inflationsentwicklung und wirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Insgesamt gehen wir für 2026 von einem im Durchschnitt gegenüber dem Jahr 2025 etwas niedrigeren Zinsniveau aus.

    Prognose der bedeutsamsten Leistungsindikatoren

    Absatz 2026

    Über alle Marken und alle Fahrzeugklassen (inklusive MAN TGE) hinweg gehen wir von einer Absatzentwicklung in der Bandbreite von –5 bis +7 % gegenüber dem Vorjahr aus. Die Bandbreite ergibt sich insbesondere aus der hohen Unsicherheit und spiegelt verschiedene Szenarien in Bezug auf die Auswirkungen der Zoll- und Industriepolitik in Nordamerika, des deutschen Investitionsprogramms für Infrastruktur und Klimawende sowie der anstehenden Präsidentschaftswahlen in Brasilien wider. Mit unserer Produktionsstätte in China planen wir mit zunehmenden Absätzen in den asiatischen Märkten.

    Umsatz 2026

    Für den Umsatz der TRATON GROUP sowie den Umsatz des Geschäftsfelds TRATON Operations gehen wir von einer ähnlichen Entwicklung wie beim Absatz in der Bandbreite von –5 bis +7 % gegenüber dem Vorjahr aus. Bei der Umsatzbandbreite kommt uns die Resilienz des Service-Geschäfts zu Gute, der Ausbau des Finanzierungsgeschäfts sowie eine erwartete steigende Anzahl von batterieelektrischen Fahrzeugen mit höheren Verkaufspreisen.

    Rendite 2026

    Für das Geschäftsjahr 2026 prognostizieren wir für die TRATON GROUP eine Operative Rendite (bereinigt) von 5,3 bis 7,3 %. Es ist geplant, Zusatzkosten aus Zöllen durch Mitigierungs- und Kostenmaßnahmen so gut wie möglich zu kompensieren. Diese Maßnahmen werden erst sukzessive im Jahresverlauf greifen. Daher wird die Operative Rendite (bereinigt) im 1. Quartal 2026 voraussichtlich unter der prognostizierten Bandbreite für das Gesamtjahr liegen. Die Prognose berücksichtigt die zum Ende des Jahres 2025 vorherrschende Zollsituation. Für das Geschäftsfeld TRATON Operations gehen wir entsprechend von einer Operativen Rendite (bereinigt) von 6,1 bis 8,1 % aus.

    Für das Geschäftsfeld TRATON Financial Services erwarten wir eine Eigenkapitalrendite (Return on Equity) von 8,0 bis 11,0 %.

    Netto-Cashflow 2026

    Basierend auf der Bandbreite für die Operative Rendite (bereinigt) und unter Berücksichtigung höherer Volatilität im Working Capital erwarten wir im Geschäftsfeld TRATON Operations für das Geschäftsjahr 2026 einen Netto-Cashflow in einer Bandbreite zwischen 0,9 Mrd € und 1,7 Mrd €. Wie im Berichtsjahr 2025 erwarten wir auch in 2026 eine Materialisierung des positiven Netto-Cashflows erst in der zweiten Jahreshälfte.

    Gesamtaussage zur künftigen Entwicklung

    Im Vergleich zum Vorjahr sind im Jahr 2026 deutlich mehr Unsicherheiten in der Prognose berücksichtigt, was sich entsprechend in den gewählten Bandbreiten der prognostizierten Leistungsindikatoren widerspiegelt. Insbesondere steht die Prognose unter dem Vorbehalt geopolitischer Risiken sowie unerwarteter Auswirkungen der US-Handelspolitik.

    Gleichzeitig steht die TRATON GROUP vor der Herausforderung ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Investitionen in neue Produkte und Zukunftstechnologien zu sichern sowie Kostenmaßnahmen konsequent umzusetzen, um die finanzielle Resilienz zu stärken.

    Nichtsdestotrotz zielen wir mindestens auf eine Ergebnissituation vergleichbar mit dem Berichtsjahr ab. Dies gilt insbesondere für die Leistungsindikatoren Operative Rendite (bereinigt) der TRATON GROUP und TRATON Operations sowie den Netto-Cashflow TRATON Operations.

      Ist 2025 Prognose 2026
    TRATON GROUP    
    Absatz (in Einheiten) 305.486 –5 bis +7 %
    Umsatz (in Mio €) 44.052 –5 bis +7 %
    Operative Rendite (bereinigt) (in %) 6,3 5,3 bis 7,3
    TRATON Operations    
    Umsatz (in Mio €) 42.536 –5 bis +7 %
    Operative Rendite (bereinigt) (in %) 7,3 6,1 bis 8,1
    Netto-Cashflow (in Mio €) 1.643 900 bis 1.700
    TRATON Financial Services    
    Eigenkapitalrendite (in %) 8,0 8,0 bis 11,0

    2. Chancen- und Risikobericht (enthält den Bericht nach § 289 Abs. 4 HGB)

    Die TRATON GROUP ist in verschiedenen Bereichen zahlreichen Risiken ausgesetzt. Unternehmerische Risiken können in einem angemessenen Umfang hingenommen werden, müssen aber durch ein wirksames Risikomanagement mit geeigneten Gegenmaßnahmen gesteuert werden. Risiken, die eine Gefahr für den Fortbestand der TRATON GROUP oder einer Marke von TRATON darstellen, sind zu vermeiden.

    In diesem Zusammenhang beschreibt der Begriff Risiko das mögliche Eintreten von Ereignissen oder Entwicklungen, die sich einzeln oder in Verbindung mit anderen Umständen – signifikant auf das Erreichen der Ziele, Pläne oder Strategie von TRATON auswirken können. Risiken mit positiven Auswirkungen werden dagegen als Chancen bezeichnet. Zusätzlich werden Risiken für Gesellschaft und Umwelt betrachtet, die sich auf die im Nachhaltigkeitsbericht der Gruppe dargestellten wesentlichen Themen beziehen. Solche Risiken können sich auf das operative Geschäft von TRATON, die Gesellschaft oder die Umwelt sowie einer Kombination davon auswirken. Dazu gehören auch Risiken, die sich aus der Lieferkette der Gruppe sowie aus der Nutzung der Produkte und Dienstleistungen von TRATON ergeben.

    Die TRATON GROUP fördert eine Kultur des Risikobewusstseins, die sich durch Transparenz auszeichnet und die Beschäftigten der Gruppe dazu ermutigt, offen Risiken anzusprechen und mit Risiken umzugehen. Für einen effektiven Umgang mit Risiken und zur Vermeidung von unentdeckten und dadurch nicht angemessen adressierten Risiken ist Transparenz unabdingbar.

    TRATON ist ein sich dynamisch entwickelndes Unternehmen, das durch verschiedene Transformationsprojekte geprägt ist (z.B. Aufbau der Group Industrial Functions, Ausbau von TRATON Financial Services, Entwicklung des TRATON Modular System). Um diesen Veränderungen zu begegnen, überprüft und verbessert die TRATON GROUP kontinuierlich ihre Risikomanagement- und internen Kontrollsysteme, um einheitliche Mindeststandards in der gesamten TRATON GROUP sicherzustellen.

    Organisation des Risikomanagements

    Der Vorstand der TRATON SE trägt die letztendliche Verantwortung für die Umsetzung und die Überwachung eines effektiven Risikomanagements in der TRATON GROUP. Zur Erfüllung dieser Verpflichtung gibt der Vorstand die strategische Ausrichtung vor, trifft Entscheidungen zu maßgeblichen Belangen des Risikomanagements und nimmt die wesentlichen Risiken der TRATON GROUP zur Kenntnis. Des Weiteren legt der Vorstand dem Prüfungsausschuss und dem Aufsichtsrat der TRATON SE zusammengefasste Informationen vor, damit diese ihrer Aufsichtsfunktion nachkommen können.

    Die Entwicklung des Rahmenwerks für das Risikomanagement obliegt dem Bereich Governance, Risk & Compliance (GRC) der TRATON SE. Gemeinsam mit den für das Risikomanagement zuständigen Funktionsbereichen der einzelnen Marken ist dieser für die Konzeption, die Umsetzung und die Koordination der entsprechenden Prozesse in der gesamten TRATON GROUP verantwortlich.

    Grundsätzlich tragen außerdem alle Führungskräfte innerhalb des Unternehmens für das Risikomanagement in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich Verantwortung („Risikoeigentümerschaft“). Sobald die Risiken die entsprechenden Meldekriterien und -schwellen erfüllen, sind sie über die festgelegten Berichtswege und zusätzlich an den jeweiligen Funktionsbereich für das Risikomanagement offen und unverzüglich zu melden.

    Die TRATON Revision prüft unabhängig die Wirksamkeit und Effizienz des Risikomanagements der TRATON GROUP.

    Rahmenwerk für das Risikomanagement

    Das Rahmenwerk für das Risikomanagement von TRATON umfasst mehrere risiko- und kontrollbezogene Prozesse innerhalb der TRATON GROUP und stellt dar, wie diese miteinander in Verbindung stehen. Das Rahmenwerk berücksichtigt die entsprechenden gesetzlichen Anforderungen und bezieht sich des Weiteren auf allgemein anerkannte Grundsätze, die in externen Rahmenwerken und Standards festgelegt sind (z.B. COSO, ISO).

    Mit dem Risikomanagement bei TRATON sollen verbindliche Mindeststandards für ein effektives Risikomanagement in der gesamten TRATON GROUP festgelegt werden. Damit soll das aktuelle TRATON-Risikoprofil transparent dargestellt und sichergestellt werden, dass allen relevanten Risiken klare Verantwortlichkeiten zugewiesen sind. Grundsätzlich durchlaufen alle im Rahmenwerk enthaltenen Prozesse denselben generischen Zyklus:

    • Identifizierung von relevanten Risiken, die sich auf das Geschäft, die Gesellschaft oder die Umwelt auswirken
    • Bewertung und Priorisierung der entsprechenden Risiken nach finanzieller Auswirkung, Wahrscheinlichkeit und weiteren Kriterien
    • Reaktion auf Risiken durch geeignete Gegenmaßnahmen (z.B. Kontrollen oder Maßnahmenpläne)
    • Bericht über den Risikostatus des Unternehmens an das Management
    • Überwachung des Risikostatus des Unternehmens inklusive der Effektivität der Gegenmaßnahmen

    Das Risikomanagementrahmenwerk behandelt Risiken im engeren Sinne, d.h. ohne Chancen zu berücksichtigen. Stattdessen werden Chancen für externe Berichtszwecke in regelmäßigen Abständen von bestimmten Funktionsbereichen erfasst, insbesondere von den Controlling-, Nachhaltigkeits- und Strategiebereichen.

    Risikomanagementprozesse

    Enterprise Risk Management (ERM)

    Der ERM-Prozess soll dem Management Transparenz über das aktuelle Risikoprofil der TRATON GROUP verschaffen. Um dies zu erreichen, konzentriert sich das ERM auf konkrete Risiken, die einzeln oder in Kombination mit anderen Risiken erhebliche Auswirkungen auf die Strategie, Pläne und Ziele von TRATON und den dazugehörigen Marken oder auf die Gesellschaft oder die Umwelt haben können. Er beinhaltet alle organisatorischen Regeln und Maßnahmen zur Identifizierung und Bewertung von konkreten Risiken aus den unterschiedlichen Bereichen. Er hilft dem Management sicherzustellen, dass alle relevanten Risiken eindeutig einem Verantwortlichen zugewiesen sind und dass die Umsetzung geeigneter Maßnahmen überwacht werden kann. Das ERM dient als Kernprozess für die Erfüllung verschiedener interner und externer Berichtspflichten wie in entsprechenden nachfolgenden Kapiteln ausgeführt.

    ERM und die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse (Double Materiality Analysis – DMA; weiterführende Informationen finden sich im Nachhaltigkeitsbericht) sind separate Prozesse. Zur Zusammenführung der aus den beiden Prozessen gewonnenen Informationen wurden Schnittstellen zwischen ERM und DMA definiert. Die in der DMA identifizierten Auswirkungen, Risiken und Chancen fließen in den ERM-Prozess ein. Umgekehrt werden die Ergebnisse des ERM-Prozesses bei der Aktualisierung der DMA berücksichtigt.

    Die Bewertung der Risiken erfolgt unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Eintrittswahrscheinlichkeit und finanziellen Auswirkungen gemäß einer Nettobewertung, die bereits umgesetzte, risikomindernde Maßnahmen berücksichtigt. Zudem erfolgt eine Einschätzung nach den qualitativen Kriterien Reputationsauswirkungen, Rechts- und Compliance-Auswirkungen sowie Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt. Aus den quantitativen und qualitativen Kriterien wird ein Risiko-Scorewert ermittelt. Die Rangfolge der Risiken erfolgt nach diesem Risiko-Scorewert, ggf. unter Berücksichtigung einer zusätzlichen fachlichen Einschätzung durch das Management.

    Zum Zweck der Risikoaggregation werden die beiden quantitativen Kriterien Eintrittswahrscheinlichkeit und finanzielle Auswirkung verwendet. TRATON verwendet eine Monte-Carlo-Simulation, um die aggregierten Auswirkungen der Risiken auf seine Finanzlage zu analysieren. Der in Bezug auf ein definiertes Konfidenzniveau zu erwartende maximale Gesamtschaden (Value-at-Risk) wird dann der Risikotragfähigkeit der Gruppe gegenübergestellt. Die Summe aus bilanziellem Eigenkapital und geplantem Ergebnis nach Steuern der TRATON GROUP bildet die Risikotragfähigkeit. Das Resultat dieses Abgleichs fließt in die Gesamtbewertung der Risiko- und Chancenposition der TRATON GROUP ein.

    Internes Kontrollsystem (IKS)

    Das IKS ist ein sich wiederholender Prozess, um systemische oder inhärente Risiken auf Prozessebene zu managen und zu überwachen. Es umfasst sämtliche vorgegebenen Abläufe, Verfahren und Maßnahmen, die für eine angemessene Sicherheit in Bezug auf die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung und ausgewählte Compliance-Themen (z.B. Korruptionsbekämpfung, Kartellrecht, Tax Compliance, Product Compliance) sowie für die Belastbarkeit bezüglich der Nachhaltigkeitsberichterstattung sorgen sollen. Das IKS als Prozess umfasst die Auswahl der einzubeziehenden Einheiten (Scoping), die risikoorientierte Auswahl und Dokumentation relevanter Kontrollen, die Beurteilung des Kontrolldesigns und der Kontrollwirksamkeit, die Behebung festgestellter Kontrollschwächen sowie die Berichterstattung an das Management.

    Als Folge der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der Europäischen Union (EU) hat TRATON bereits 2024 auch für die Nachhaltigkeitsberichterstattung interne Kontrollen umgesetzt. Im Laufe des Geschäftsjahres 2025 wurde das Projekt zur weiteren Verbesserung der Kontrollen im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung fortgesetzt. Dabei wurde der Fokus verstärkt auf den risikobasierten Kontrollansatz gelegt, der in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll.

    Risikoberichterstattung

    Der Vorstand, der Prüfungsausschuss und der Aufsichtsrat der TRATON SE werden regelmäßig über die Risikolage und das Risikomanagement der TRATON GROUP informiert. Dasselbe gilt für die Leitungs- und Aufsichtsorgane der TRATON-Marken und Gruppenunternehmen.

    Das TRATON Governance & Risk Board (GRB) befasst sich für den Vorstand der TRATON SE vierteljährlich mit dem Risikomanagement, den internen Kontrollen und damit zusammenhängenden weiteren Themen in der TRATON GROUP. Im Berichtsjahr wurde der Ausschuss in TRATON Risk & Control Board (RCB) umbenannt. Das RCB wird durch den Bereich GRC organisiert und setzt sich aus den Finanzvorständen der TRATON SE und der Marken sowie anderen Führungskräften unterhalb der Vorstandsebene zusammen.

    Neben den Kriterien für reguläre Risikoberichtsprozesse wurden für die gesamte TRATON GROUP Kriterien für den Fall einer Risikoeilmeldung an den Vorstand festgelegt. Dieser Fall tritt dann ein, wenn ein neues Risiko entsteht, das sich maßgeblich auf die Ziele der TRATON GROUP auswirken kann, oder wenn sich ein bereits gemeldetes Risiko deutlich erhöht.

    Schließlich erfüllt TRATON mehrere weitere interne wie externe Berichtspflichten. Dazu zählen die Risikoberichterstattung an die Volkswagen AG und das Erstellen von Risikoberichten im Zusammengefassten Lagebericht im Rahmen der gesetzlichen Rechnungslegung.

    Angemessenheit und Wirksamkeit des Risikomanagements

    Die Überwachung von Angemessenheit und Wirksamkeit des Risikomanagements, insbesondere der Prozesse ERM und IKS, gehört zu den Kernaufgaben des RCB. Dort werden relevante Informationen zusammengetragen und bewertet, die Rückschlüsse auf die Angemessenheit und Wirksamkeit des Risikomanagements erlauben. Dazu zählen Feststellungen aus internen und externen Prüfungen, Ergebnisse aus Kontrolluntersuchungen im Rahmen des IKS sowie Statusberichte zu Projekten des Risikomanagements. Sofern Schwachstellen identifiziert werden, stößt das RCB entsprechende Verbesserungsmaßnahmen an und überwacht deren Umsetzung. Die Ergebnisse fließen in die Berichterstattung an Vorstand, Prüfungsausschuss und Aufsichtsrat der TRATON SE ein.

    Auf Grundlage der dargestellten Maßnahmen zur Überwachung von Angemessenheit und Wirksamkeit des Risikomanagements liegen dem Unternehmen keine Hinweise vor, die auf eine wesentliche Schwachstelle im Risikomanagement hindeuten. Dabei ist zu beachten, dass auch ein angemessenes und wirksames Risikomanagement keine absolute Sicherheit bieten kann, alle relevanten Risiken rechtzeitig zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen und Kontrollen zu mitigieren.

    Haupteigenschaften des rechnungslegungsbezogenen Internen Kontrollsystems

    Das Interne Kontrollsystem der TRATON GROUP soll u.a. eine angemessene Sicherheit gewährleisten, dass der Konzernabschluss der TRATON GROUP ordnungsgemäß ist, d.h. ohne wesentliche Fehler oder Falschdarstellungen. Das Interne Kontrollsystem für die Nachhaltigkeitsberichterstattung wurde 2024 eingeführt. Angesichts der jüngsten Entwicklungen in der jeweiligen Gesetzgebung wird das gewünschte künftige Maß an Verlässlichkeit überprüft.

    Da die Nachhaltigkeitsberichterstattung in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter ausgereift sein wird, ist TRATON bestrebt, das Maß an Verlässlichkeit, das auch durch Kontrollen gewährleistet wird, schrittweise zu verbessern. Bei der TRATON SE erstellt und veröffentlicht der Bereich Accounting den Konzernabschluss, während der Bereich ESG den konsolidierten Nachhaltigkeitsbericht erstellt. Die beiden Bereiche verantworten das jeweilige TRATON-Rahmenwerk für die Finanzberichterstattung bzw. die Nachhaltigkeitsberichterstattung von TRATON. Dies umfasst u.a. die Handbücher für die Berichterstattung, die Richtlinien und Definition von Verfahrensanweisungen sowie interne Kontrollen. Des Weiteren überwachen beide Bereiche die betreffenden gesetzlichen Anforderungen und prüfen die Einheitlichkeit und Kontinuität der Finanzberichterstattung bzw. die Nachhaltigkeitsberichterstattung für die gesamte TRATON GROUP.

    Um die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung sicherzustellen, werden sämtliche betroffenen Prozesse mit typischen Kontrollmechanismen systematisch versehen, insbesondere mit umfassenden Prüf- und Reviewmechanismen, Freigabehierarchien, Funktionstrennungen sowie dem Vier-Augen-Prinzip. Für die Nachhaltigkeitsberichterstattung wurden typische Kontrollmechanismen systematisch auf die Prozesse der Datenerhebung und Datenaggregation angewendet, z.B. umfassende Plausibilitätsprüfungen, Reviewmechanismen und Genehmigungshierarchien. Da Rechnungslegung und Konsolidierung in hohem Maße auf Informationstechnologie angewiesen sind, bestehen für alle betroffenen Systeme geeignete IT-Kontrollen, z.B. Zugriffskontrollen, Sicherungs-/Wiederherstellungsverfahren und Änderungsmanagement, einschließlich Kontrollen externer Dienstleister. Für die zukünftige Nachhaltigkeitsberichterstattung erwartet TRATON einen verstärkten Einsatz von Informationstechnologie und wird dann IT-Kontrollen einsetzen, um die zugrunde liegenden Risiken abzudecken. Das rechnungslegungsbezogene Interne Kontrollsystem der TRATON GROUP deckt über die Buchhaltungstätigkeiten bei der TRATON SE auch andere Funktionsbereiche und Tochtergesellschaften ab, in denen maßgebliche Informationen für die Rechnungslegung verarbeitet werden. Bei den internen Kontrollen der Nachhaltigkeitsberichterstattung werden nicht nur die ESG-Aktivitäten der TRATON SE erfasst, sondern auch andere Funktionen auf Ebene der TRATON GROUP, in denen wesentliche Informationen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung konsolidiert und berichtet werden. Die Datenkonsolidierung und -aggregation für die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird auch durch Kontrollen auf Markenebene überwacht.

    Die Wirksamkeit des rechnungslegungsbezogenen Internen Kontrollsystems wird im Zuge des IKS-Prozesses mindestens einmal jährlich beurteilt. Der Implementierungsstatus der internen Kontrollen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung zum Geschäftsjahr 2024 wurde entsprechend nachverfolgt und berichtet. Im Rahmen eines laufenden CSRD-IKS-Projekts wurde für das Berichtsjahr 2025 ein kontinuierlicher Ansatz zur Beurteilung der Wirksamkeit der Kontrollen der Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt. Diese erste Kontrolluntersuchung wird im Zeitraum vom 4. Quartal 2025 bis zum 2. Quartal 2026 durchgeführt. Alle identifizierten Kontrollschwachstellen werden zentral überwacht, bis Maßnahmen zu Ihrer Behebung umgesetzt wurden.

    Chancen und Risiken

    Die wesentlichen Chancen und Risiken mit Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie auf die Gesellschaft und die Umwelt klassifiziert die TRATON GROUP anhand der fünf Kategorien Strategische Risiken, Marktrisiken, Operative Geschäftsrisiken, Rechts- & Compliance-Risiken sowie Finanzielle Risiken.

    Strategische Risiken

    Die Strategie der TRATON GROUP (TRATON Way Forward) basiert auf der langfristigen Vision, die festlegt, wie TRATON der wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeit, Dekarbonisierung, Digitalisierung und damit den erwarteten Veränderungen in der Transport- und Logistikbranche begegnen wird. Dieser strategische Rahmen zielt darauf ab, die Chancen zu nutzen, die sich aus den genannten Veränderungen ergeben. TRATON verpflichtet sich, unabhängig von individuellen Unternehmensentscheidungen, jederzeit nachhaltig und verantwortungsvoll zu wirtschaften.

    Der TRATON Way Forward besteht aus vier Elementen. Die Elemente sind: (1) Verantwortungsvolles Unternehmen, (2) Wertschöpfung, (3) TRATON Accelerated! und (4) Strategieumsetzung und Governance. Die Implementierung dieser Elemente ist mit verschiedenen Chancen und Risiken verbunden.

    1. Verantwortungsvolles Unternehmen

    Nutzfahrzeuge unterliegen weltweit zunehmend strengeren Umweltauflagen und anderen Regelungen. Das im European Green Deal für die 27 Mitgliedsländer der EU definierte Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 und die damit verbundenen ehrgeizigen CO2-Reduktionsziele (generelle Reduktion der CO2-Emissionen in der EU um mindestens 55 % bis 2030 und um 90 % bis 2040 jeweils gegenüber 1990) stellen eine signifikante Herausforderung für TRATON und den gesamten Transportsektor dar. So hat die Europäische Union Mitte 2024 in der neuen Verordnung (EU) 2024/1610 (CO2-Verordnung) den Herstellern von schweren Nutzfahrzeugen wie der TRATON GROUP neue ambitionierte Ziele gesetzt, um die CO2-Emissionen in Europa innerhalb von zwei Jahrzehnten zu reduzieren. Das Ziel für 2025, die CO2-Emissionen von schweren Nutzfahrzeugen mit mehr als 16 Tonnen um 15 % zu reduzieren, ist bereits in Kraft. Allerdings hat die EU im Jahr 2024 das Reduktionsziel von bisher 30 % auf 45 % bis 2030 erhöht und Zielwerte von 65 % bis 2035 und 90 % bis 2040 für Nutzfahrzeuge festgesetzt. Basis ist eine Benchmark aus dem Zeitraum von Juli 2019 bis Juni 2020. Darüber hinaus wurden diese Ziele auf andere Untergruppen von Nutzfahrzeugen ausgedehnt. Dies betrifft mittlere und schwere Nutzfahrzeuge über fünf Tonnen sowie Überland- und Reisebusse. Einige Spezialfahrzeuge sind weiterhin ausgenommen. Um die schnellere Einführung von emissionsfreien Stadtbussen zu fördern, hat die EU außerdem beschlossen, dass alle neuen Stadtbusse ab 2035 emissionsfrei sein müssen, mit einem Zwischenziel von 90 % im Jahr 2030. Werden diese Emissionsziele nicht erreicht, sind ab dem Jahr 2025 Strafen in Höhe von 4.250 € vorgesehen für jedes Gramm CO2-Emissionen pro Tonnenkilometer (tkm) über dem Grenzwert. Die EU hat zudem die neue Euro 7-Abgasnorm zur Begrenzung schädlicher Schadstoffe wie Stickoxide (NOx) und Feinstaub über Fahrzeugabgase vereinbart. Das entsprechende Gesetz wurde im Mai 2024 veröffentlicht. Der endgültige Text stellt eine enorme Herausforderung dar, sowohl in Bezug auf die Grenzwerte als auch auf die Prüfmethoden. Viele technische Details müssen noch in sogenannten sekundären Rechtsvorschriften festgelegt werden.

    In den USA birgt die Entscheidung der amtierenden Regierung, die US-Emissionsstandards für mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge flächendeckend zurückzunehmen, signifikante regulatorische und marktbezogene Risiken. Im Mittelpunkt dieser Kehrtwende steht die vorgeschlagene Aufhebung der „Endangerment Finding“ von 2009, der Rechtsgrundlage für die Regulierung der Treibhausgasemissionen durch die US-Umweltschutzbehörde EPA im Rahmen des Clean Air Act. Durch diese Aufhebung würde die Befugnis der Behörde zur Regulierung der Treibhausgasemissionen von Fahrzeugen wegfallen, was die langfristigen Compliance-Rahmenbedingungen unterminieren würde. Parallel dazu hat die US-Regierung Vorschläge vorgelegt, die „Phase-3-Standards“ für Treibhausgasemissionen aufzuheben und die NOx-Emissionsgrenzwerte im Rahmen der EPA-Regelung für 2027 zu überdenken. Diese Maßnahmen könnten die kurzfristigen Compliance-Verpflichtungen aufweichen, erhöhen jedoch auch die Wahrscheinlichkeit künftiger regulatorischer Rückabwicklungen und durch Rechtsstreitigkeiten bedingter Wiederinkraftsetzungen von Richtlinien. Die Regierung hat sich außerdem auf den Congressional Review Act (CRA) berufen, um die Ausnahmeregelungen des kalifornischen Clean Air Act aufzuheben, anhand deren Kalifornien und andere US-Bundesstaaten strengere Fahrzeugemissionsstandards verabschieden können (Section 177 States). Gegen diese Rücknahmen sind Klagen vor Gericht anhängig, deren Ausgang das Gleichgewicht zwischen den Regulierungsbefugnissen der Bundesstaaten und des Bundes neu definieren und zu jahrelanger politischer Unsicherheit führen könnte. Insgesamt stellen diese Maßnahmen eine dramatische Wende in der Klima- und Emissionspolitik der USA dar. Dieser Wandel erhöht die regulatorische Volatilität, das Risiko von gestrandeten Vermögenswerten und die potenzielle Diskrepanz zu globalen Nachhaltigkeitstrends, zumal Mexiko, Kanada, die EU und die asiatischen Märkte ihre Emissionsanforderungen beibehalten oder verschärfen.

    In Brasilien unterliegt TRATON dem Programm für CO2-Reduktion und Energieeffizienz basierend auf europäischen Richtlinien und VECTO, einem computergestützten Simulationsprogramm zur Berechnung des CO2-Ausstoßes. Das an die brasilianischen Rahmenbedingungen angepasste Programm wird bis Dezember 2026 abgeschlossen sein. Die Ziele sollen Anfang 2029 festgelegt werden, wobei die Fahrzeuge diese voraussichtlich ab 2033 erfüllen müssen. Die Stadt São Paulo, für andere Städte des Landes ein Vorbild bei Dekarbonisierungsinitiativen, hält weiterhin an der gesetzlichen Vorgabe fest, die Nutzung fossiler Brennstoffe in einigen Verkehrssektoren bis 2038 einzustellen. In Bezug auf die städtisch gesteuerten Fahrzeuganwendungen liegt der Schwerpunkt derzeit auf den Stadtbussen, für die aggressive Ziele für die Umstellung der Flotte auf reine Elektrofahrzeuge gelten. Zur Diskussion steht in Brasilien ferner die Betrachtung des gesamten Produktlebenszyklus. Das Inkrafttreten einer entsprechenden Vorgabe ist für 2027 vorgesehen.

    Neben anderen wichtigen Märkten, auf denen die TRATON GROUP ihre Produkte verkauft, hat China 2023 die Emissionsnorm China 6 (CN 6) zur Reduzierung der Schadstoffemissionen für alle schweren Nutzfahrzeuge festgelegt. Darüber hinaus hat China im Juli 2025 neue Kraftstoffverbrauchsgrenzwerte der Stufe IV sowie den New Energy Vehicle Credit Policy Plan eingeführt, der voraussichtlich ab 2028 umgesetzt wird, um die CO2-Emissionen für alle Nutzfahrzeuge zu reduzieren. Die Ausarbeitung neuer Vorschriften und die Überarbeitung von Vorschriften schreiten zügig voran, insbesondere in den Bereichen Advanced Driver Assistance Systems (ADAS), Intelligent and Connected Vehicles (ICV) und New Energy Vehicle (NEV).

    Die Anpassung von Nutzfahrzeugen an neue Emissionsstandards ist technologisch anspruchsvoll und kostenintensiv, vor allem angesichts der oft unterschiedlichen Vorschriften für CO2- und andere Schadstoffemissionen von Verbrennungsmotoren. Um die Vorgaben in der EU, Nordamerika, Brasilien und China zu erreichen, ist es unerlässlich, neue Technologien zur Reduzierung von CO2- und anderen Abgasemissionen einzusetzen. TRATON investiert daher in erheblichem Umfang in klimafreundliche alternative Antriebe, vor allem in batterieelektrische Nutzfahrzeuge.

    Der mittel- bis langfristige Übergang von Verbrennungsmotoren zu emissionsfreien Nutzfahrzeugen ist jedoch mit Unsicherheiten verbunden, die sich in verschiedenen Risiken und Chancen niederschlagen. Die aktuellen und zukünftigen Investitionen in batterieelektrische Fahrzeuge könnten nicht die erwarteten Erlöse bringen, insbesondere im US-Markt. Die schrittweise, rechtzeitige Umstellung auf batterieelektrische Antriebe bietet TRATON einerseits die Chancen, die CO2-Emissionsstandards weltweit zu erfüllen, sich besser und schneller auf Kundenwünsche einzustellen und durch einen frühen Markteintritt Marktanteile zu gewinnen. Eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Batterien und die höheren Anschaffungskosten von batterieelektrischen Nutzfahrzeugen stellen andererseits Risiken beim Übergang zu emissionsfreien Nutzfahrzeugen dar. Eine zusätzliche Voraussetzung für den Übergang ist des Weiteren eine leistungsfähige, flächendeckende und speziell auf Nutzfahrzeuge zugeschnittene Ladeinfrastruktur. Um die Akzeptanz von batterieelektrischen Nutzfahrzeugen auf dem europäischen Markt weiter zu erhöhen, hat die TRATON GROUP mit Daimler Truck und Volvo Group das Joint Venture Milence gegründet. Diese Kooperation soll ein öffentlich zugängliches, herstellerunabhängiges Hochleistungsladenetz für batterieelektrische Nutzfahrzeuge in Europa aufbauen. Trotz der gemeinsamen Anstrengungen des Joint Ventures Milence bleibt der Aufbau einer ausreichenden europaweiten Ladeinfrastruktur eine Herausforderung. Brasilien steht aufgrund erheblicher infrastruktureller Einschränkungen vor einer strukturellen Herausforderung bei der Dekarbonisierung des Verkehrssektors. Laut der Confederação Nacional do Transporte (CNT), dem brasilianischen Verkehrsverband, sind nur rund 12 % des brasilianischen Bundesstraßennetzes asphaltiert, während etwa 88 % unbefestigt oder in schlechtem Zustand sind. Dadurch wird sich der großflächige Einsatz von elektrischen Langstreckentransporten verzögern, denn eine effektive Elektrifizierung setzt ein robustes und asphaltiertes Autobahnnetz voraus, das sowohl der Logistik als auch der Energieinfrastruktur förderlich ist. Trotz dieser infrastrukturellen Einschränkungen verfügt Brasilien über einen komparativen Vorteil bei der sofortigen Dekarbonisierung des Verkehrs. So schafft das neue Gesetz Nr. 14.993/2024 (Lei do Combustível do Futuro) rechtliche Rahmenbedingungen für Verbrennungsmotoren, die mit erneuerbaren Kraftstoffen, insbesondere Biodiesel und Biomethan, betrieben werden. In China lässt sich durch die für Elektrofahrzeuge geschaffenen Skaleneffekte die Beschaffung kostengünstiger Teile intensivieren. Darüber hinaus könnte TRATON in China möglicherweise mehr Elektrofahrzeuge verkaufen als in Europa. Dadurch würde sich die Chance erhöhen, die von der TRATON GROUP gesetzten CO2-Reduktionsziele zu erreichen. Das akute Risiko für die TRATON GROUP in China besteht jedoch darin, dass die erforderlichen regulatorischen und technologischen Voraussetzungen zwar geschaffen sind, jedoch nicht sofort ein kommerzielles Produkt bereitsteht.

    Mit dem eigenen Anspruch eines verantwortungsvollen Unternehmens zielt TRATON auch künftig darauf ab, Diversität und Inklusion im Unternehmen zu fördern sowie gute Standards in der Unternehmensführung (Governance) und ethisch einwandfreies Verhalten der Mitarbeiter sicherzustellen. Bei diesen Bemühungen ist TRATON verschiedenen Herausforderungen ausgesetzt, die dazu führen können, dass das Unternehmen möglicherweise seine selbst gesetzten Ziele nicht erreicht. Es ergeben sich für das Unternehmen aber auch verschiedene langfristige Chancen, beispielsweise wenn es gelingt, Investoren zu gewinnen, die einen starken Fokus auf Nachhaltigkeitskriterien legen.

    2. Wertschöpfung

    Innerhalb der TRATON GROUP hat jede Marke ein klar definiertes strategisches Renditeziel und ist bestrebt, dieses durch Gewinnung von Marktanteilen, verbesserte Preisdurchsetzung und durch Effizienzsteigerungen zu realisieren. Die Steigerung der Markenleistung ist für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und die Verbesserung der Profitabilität der TRATON GROUP von zentraler Bedeutung. Zusätzlich ergeben sich aus der Zusammenarbeit zwischen den Marken vor allem aufgrund zusätzlicher Skaleneffekte signifikante Chancen. Der zukünftige Erfolg der TRATON GROUP könnte gefährdet sein, falls es nicht gelingen sollte, langfristig Synergien aus der Zusammenarbeit der Marken zu realisieren und in den jeweiligen Einheiten erfolgreich operative Effizienzsteigerungen zu erreichen.

    Die Präsenz von TRATON auf dem nordamerikanischen Markt eröffnet Chancen durch die Nutzung der leistungsstarken Komponenten- und Technologiebasis innerhalb der TRATON GROUP und den Ausbau des Finanzdienstleistungsgeschäfts bis hin zur weiteren Nutzung des Händler- und Servicenetzes von International, das zu den größten unabhängigen auf dem nordamerikanischen Markt gehört. Der Erfolg dieses komplexen und langfristigen Prozesses ist aber auch immer mit Unsicherheiten verbunden, die u.a. auch durch Entscheidungen der amtierenden US-Administration beeinflusst werden.

    Im Rahmen der globalen Expansion beabsichtigt die TRATON GROUP, die wichtigste noch bestehende geografische Lücke, Asien, zu schließen. China ist gemessen am Volumen der größte Nutzfahrzeugmarkt der Welt. TRATON will der dortigen Nachfrage durch entsprechende Investitionen und Markteintrittsstrategien gerecht werden. Dies setzt TRATON jedoch bestimmten Risiken aus, die mit dem chinesischen Markt verbunden sind. Hierzu zählen zunehmende geopolitische Unsicherheiten, die zu neuen Handelsbarrieren und einer Entkopplung der Wirtschaftsräume führen könnten. Darüber hinaus stehen die Aktivitäten des Unternehmens in China unter besonderer Beobachtung in Bezug auf die Einhaltung der Menschenrechte. Außerdem gibt es verschiedene operationelle Risiken, die mit Investitionen in China verbunden sind, z. B. Risiken aus der Gesetzgebung sowie Risiken aus dem lokalen Markt- und Wettbewerbsumfeld.

    3. TRATON Accelerated!

    In einer Welt, die von Elektrifizierung, autonomem Fahren und Konnektivität geprägt sein wird, will die TRATON GROUP in Zukunft durch neue Geschäftsmodelle einen höheren Mehrwert für die Kunden erzeugen. Die Gruppe erweitert ihre Geschäftsperspektive über den reinen Transport hinaus, indem sie eine aktive Rolle bei der Gestaltung des Transport- und Logistik-Ökosystems der Zukunft einnimmt. Der Einstieg in neue Geschäftsfelder wie die Logistik, neue Lösungsangebote für Kunden und andere digitale Geschäftsmodelle bergen Risiken für TRATON, bieten aber auch nachhaltige Chancen, sich im Zuge der Transformation von Technologien und Märkten langfristig wettbewerbsfähig zu positionieren. Darüber hinaus ermöglicht die Weiterentwicklung von TRATON Financial Services hin zu einer integrierten gruppenweiten Finanzdienstleistungsgesellschaft umfassende Finanzierungsangebote, um der Nachfrage nach neuen Technologien und Geschäftsmodellen gerecht zu werden.

    4. Strategieumsetzung und Governance

    Das vierte Element des TRATON Way Forward setzt den Fokus auf die Umsetzung der Strategie. Durch den Aufbau eines gruppenweiten modularen Systems mit standardisierten Schnittstellen für die wichtigsten Technologiebereiche (TRATON Modular System) und durch eine engere organisatorische Verzahnung sollen die Fähigkeiten gebündelt und damit die Wettbewerbsfähigkeit insgesamt gestärkt werden. TRATON hat mit der Einrichtung einer neuen Gruppenfunktion (Group Industrial Functions) für Forschung & Entwicklung und mit der gruppenweiten Koordination von Einkauf, Produktion und Logistik die Basis dafür gelegt. Sollte die TRATON GROUP bei den angestrebten Synergie- und Effizienzsteigerungen scheitern, könnte dies erhebliche negative Auswirkungen auf die langfristige Geschäftstätigkeit, das Operative Ergebnis, die Finanzlage und die weiteren Zukunftsaussichten haben.

    Marktrisiken

    Weltweit und auf den regionalen und produktspezifischen Kernmärkten der TRATON GROUP wirken sich wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen in hohem Maße auf die Nutzfahrzeugindustrie aus. Deshalb ist die Branche stark konjunkturabhängig. Aus Abweichungen von erwarteten Entwicklungen im wirtschaftlichen Umfeld und Schwankungen des Geschäftsklimas können sich im Hinblick auf die Nachfrage nach den Produkten und Dienstleistungen der TRATON GROUP sowohl Chancen als auch Risiken ergeben.

    Generell ist die Nachfrage nach Nutzfahrzeugen stark zyklisch, d.h. dass auf Phasen mit hohen Kundeninvestitionen in Nutzfahrzeuge in der Regel Phasen mit reduzierter Nachfrage folgen. Die Dauer, der Zeitpunkt und die Intensität dieser Nachfragezyklen variieren je nach Marktsegment, Kundengruppe und Region. Außerdem werden diese Zyklen von externen politischen und wirtschaftlichen Faktoren beeinflusst und sind damit grundsätzlich Unsicherheiten unterworfen. Solche variablen Nachfragemuster können zu einem schnellen Anstieg oder Rückgang der Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen der TRATON GROUP führen. Die weltweite makroökonomische Situation mit u.a. steigenden geopolitischen Spannungen führt nach wie vor zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage.

    Risiken für die globale Wirtschaftsentwicklung gehen auch von wachsenden politischen Unsicherheiten, protektionistischen Tendenzen und strukturellen Defiziten aus, die die Entwicklung einzelner fortgeschrittener Volkswirtschaften und Schwellenländer gefährden. Hinzu treten die verstärkt ökologischen Herausforderungen, die die einzelnen Länder und Regionen in unterschiedlichem Maße betreffen. Viele Regionen verzeichnen in jüngster Zeit eine geringere Inflationsrate, sodass die Notenbanken die Zinssätze gesenkt haben. Inwieweit sich dieser geldpolitische Kurs fortsetzt, ist ungewiss. Die TRATON GROUP kann Wachstumschancen verpassen, wenn es nicht gelingt, über die derzeitigen regionalen Kernmärkte hinaus zu expandieren. Die Gruppe kann Marktanteile an neue oder bestehende Konkurrenten verlieren, wenn sie die Anforderungen von Kunden und Behörden nicht ausreichend erfüllt. Im Falle politischer Unruhen könnte sie teilweise oder ganz von wichtigen Märkten ausgeschlossen werden.

    Ziel der TRATON GROUP ist es, den Zugang zu wachsenden adressierbaren Märkten in Schwellenländern vorteilhaft zu nutzen. Der dort adressierbare Markt dürfte für westliche Fahrzeughersteller zukünftig wachsen, da in den nächsten Jahren weltweit strengere Regelungen und Emissionsstandards eingeführt werden. Die wirtschaftliche Entwicklung einiger Schwellenländer kann jedoch vor allem durch die Abhängigkeit von Energie- und Rohstoffpreisen, durch fehlende Kapitalimporte sowie soziopolitische Spannungen, Konflikte, Korruption, mangelhafte staatliche Strukturen und fehlende Rechtssicherheit gehemmt werden. Der zunehmende Wettbewerb von Seiten nichtwestlicher Hersteller, insbesondere aus China, erschwert es zusätzlich, Marktanteile in Schwellenländern zu gewinnen.

    Geopolitische Spannungen und Konflikte wie der Ukrainekrieg, die China-Taiwan-Spannungen und der Nahost-Konflikt sowie Anzeichen einer fortschreitenden Fragmentierung der Weltwirtschaft sind weitere wesentliche Risikofaktoren für die Entwicklung einzelner Länder und Regionen. Darüber hinaus können die Spannungen zwischen den USA, der EU, China und anderen Ländern in Bezug auf Handelsbeschränkungen, einschließlich nationaler Schutzmaßnahmen (z.B. erhöhte Zölle durch die US-Regierung oder mögliche Gegenmaßnahmen weltweit), zu bedeutsamen Risiken führen, die sich negativ auf die Geschäftstätigkeit der TRATON GROUP auswirken könnten. Daraus entwickeln sich in zunehmendem Maße Sanktionen, Zollschranken und andere protektionistische Handelshemmnisse. Angesichts der bestehenden, starken globalen Verflechtungen können dabei auch lokale Entwicklungen die Weltkonjunktur belasten. Gleiches gilt für gewaltsame Auseinandersetzungen, terroristische Aktivitäten, Cyber-Attacken oder die Verbreitung von Infektionskrankheiten, die kurzfristig zu unerwarteten Marktreaktionen führen können.

    Die Präsenz von International in Nordamerika verschafft der TRATON GROUP Zugang zu einem großen und margenstarken Teil des weltweiten Transportmarktes. Dies eröffnet der TRATON GROUP zusätzliche Wachstumspotenziale und sorgt für einen besseren Ausgleich der regionalen Marktentwicklungen in der zyklischen Nutzfahrzeugindustrie. Darüber hinaus hat International in seinen nordamerikanischen Hauptmärkten erhebliche Wachstumschancen, wenn es der Marke International gelingt, ihren Marktanteil schrittweise wieder auf das in der Vergangenheit bereits erreichte Niveau zu bringen. Allerdings könnten erhöhte Zölle oder andere protektionistische Maßnahmen der USA sowie etwaige Gegenmaßnahmen einen maßgeblichen Einfluss auf die Marktentwicklung haben, weshalb die TRATON GROUP diese aufmerksam verfolgt.

    Die TRATON GROUP ist intensivem Wettbewerb ausgesetzt, der sich in Zukunft noch verstärken könnte, z.B. durch den Eintritt neuer Wettbewerber in die Hauptmärkte. Der künftige Erfolg der TRATON GROUP hängt davon ab, wie gut die Gruppe mit den wesentlichen Wettbewerbsfaktoren in der Nutzfahrzeugbranche umgehen kann. Dazu gehören insbesondere die Innovationsfähigkeit und deren positive Auswirkungen auf die Gesamtbetriebskosten der Produkte der TRATON GROUP, die Fähigkeit, mit maßgeschneiderten Lösungen wie Kundenservice und Finanzierungsleistungen die individuellen Anforderungen der Kunden zu erfüllen, sowie die Verfügbarkeit technologischer Innovationen zur Ankurbelung großer Branchentrends (d.h. alternative Antriebssysteme, Vernetzung und autonomes Fahren). Gelingt es der TRATON GROUP nicht, sich erfolgreich in den sich wandelnden Märkten zu behaupten, können Preisdruck, Umsatzverlust und Margenrückgänge die Folge sein.

    Die TRATON GROUP kann die schwankende Nachfrage nach ihren Produkten u.a. durch flexible Produktions- und Arbeitsmodelle ausgleichen. Des Weiteren könnten Schwankungen auf den Märkten, soweit auf bestimmte Regionen begrenzt, durch die internationale Präsenz der TRATON GROUP zumindest teilweise abgefangen werden. Eine weitere Möglichkeit besteht in strukturelle Anpassungen, wenn der Abschwung eines Marktes nicht durch vorübergehende Maßnahmen aufgefangen werden kann. Diese können mit substanziellen Einmalaufwendungen verbunden sein.

    Operative Geschäftsrisiken

    Der künftige Erfolg der TRATON GROUP wird davon abhängen, wie gut es der Gruppe gelingt, die großen Branchentrends korrekt zu beurteilen und mit innovativen, kommerziell attraktiven Produkten, Technologien und Dienstleistungen darauf zu reagieren. Darüber hinaus haben das wachsende Klima- und Umweltbewusstsein sowie die strengeren Energieeffizienz- und Emissionsvorschriften zu einer Verlagerung hin zur Entwicklung von Nutzfahrzeugen mit alternativen Antrieben und von Fahrzeugen, die mit alternativen Kraftstoffen oder elektrisch betrieben werden, geführt. Rechtzeitige Innovationen in disruptiven Trends wie autonomes Fahren, digitale Vernetzung und elektrische Antriebe können Geschäftschancen darstellen. Deshalb investiert die TRATON GROUP substanziell in Forschung und Entwicklung. Dazu können auch Partnerschaften und Kooperationen mit Lieferanten oder anderen Organisationen außerhalb der Kernkompetenzen der TRATON GROUP gehören.

    Die Entwicklung neuer Produkte erfolgt im Rahmen großer und komplexer Projekte, die verschiedene Risiken mit sich bringen. Diese können sich aus mehreren Faktoren ergeben, u. a. aus falschen Annahmen hinsichtlich der Planung und der Umsetzungskosten, aus unerwarteten technischen Herausforderungen, Mängeln bei der Projektgestaltung und beim Projektmanagement oder aus unzureichenden Leistungen durch Zulieferer und Partner. Diese Faktoren können im Eintrittsfall zu Mehrkosten, Verzögerungen bei der Einführung neuer Produkte, Lieferverzögerungen, Qualitätsproblemen und einer Verschlechterung der Kundenbeziehungen führen. Bedeutsame Risiken bezüglich des verzögerten Hochlaufs des Absatzes von batterieelektrischen Fahrzeugen können dazu führen, dass das TRATON-Produktportfolio die CO2- und andere Emissionsvorschriften nicht erfüllt. Um diesen Risiken zu begegnen, haben die TRATON GROUP und ihre Marken einen strategischen Planungsprozess auf der Basis von Trendanalysen im Markt- und Geschäftsumfeld etabliert. Mit der daraus resultierenden Produktplanung werden die umfangreichen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der TRATON GROUP gesteuert.

    Mit der steigenden technologischen Komplexität der Nutzfahrzeuge nehmen auch die Risiken durch Fahrzeugmängel, Cyber-Sicherheit und Qualitätsprobleme im Allgemeinen zu. Eine mangelhafte Qualität kann sowohl zu Garantie-, Gewährleistungs- und Kulanzkosten als auch zu Verlusten von Marktanteilen oder niedrigeren Produktmargen führen. Die in den Fahrzeugen eingebaute Software könnte bei Sicherheitsproblemen darüber hinaus die Funktionalität des Fahrzeugs beeinträchtigen und die Sicherheit der Fahrzeugnutzer und anderer Verkehrsteilnehmer gefährden. Die TRATON GROUP und ihre Marken haben ein spezielles Managementsystem eingeführt, um solche Risiken zu vermeiden (Cyber Security Management System und Software Update Management System). Allerdings können in schwerwiegenden Fällen Rückrufe und Ansprüche aus Produkthaftung und Schadenersatz auf TRATON zukommen. Umgekehrt kann eine erstklassige Produktqualität die Wettbewerbsposition des Unternehmens stärken.

    Die Auswirkungen dieser Faktoren könnten sich zukünftig noch verstärken, da die TRATON GROUP bei der Fahrzeugproduktion ein Baukastensystem einsetzt. Die Risikoexposition der Gruppe in Bezug auf Produktmängel wird dadurch weiter verstärkt, dass einzelne Komponenten in mehreren Fahrzeugtypen, Modellen und Marken verwendet werden. Umgekehrt eröffnen sich der TRATON GROUP durch das Baukastensystem verschiedene Chancen. Dazu zählen Skaleneffekte bei Produktion und Beschaffung sowie eine bessere Verteilung von Entwicklungskosten.

    Für die hohen Qualitätsstandards der Produkte sowie die Einhaltung staatlicher Sicherheitsvorgaben und anderer Standards fallen im Unternehmen Kosten für Überwachung, Zertifizierung und Qualitätssicherung an. Die TRATON GROUP verfügt über ein umfassendes Qualitätsmanagementsystem, das bei der Produktentwicklung beginnt und sich auf die Produktion, die Zulieferer und die Einsatzkontrolle der Produkte der gesamten Gruppe erstreckt. Darüber hinaus bildet TRATON in der Regel Gewährleistungsrückstellungen auf der Grundlage früherer Erfahrungen, bekannter Ansprüche sowie des technologischen Fortschritts und der Lösungen für bekannte Qualitätsprobleme.

    Die mangelnde Verfügbarkeit von Zulieferteilen wie Halbleiter sowie steigende Kosten für Energie und bestimmte Rohstoffe wie seltene Erden bergen signifikante Unsicherheiten für die TRATON GROUP. Falls Lieferanten nicht willens oder in der Lage sind, ihre Lieferverpflichtungen zu erfüllen, z.B. aufgrund von Lieferengpässen, Zöllen, Handelsbeschränkungen, regulatorischen Hürden, Streiks, Kapazitätsvergabe an andere Kunden oder finanziellen Schwierigkeiten, wäre die TRATON GROUP mit dem Risiko von Produktionsausfällen und Lagerbestandsrückständen konfrontiert. Darüber hinaus könnte jede Eskalation regionaler Konflikte weitere Verwerfungen auf den weltweiten Lieferketten- sowie Energie- und Rohstoffmärkten auslösen. TRATON hat die Überwachung des Lieferantennetzwerks intensiviert, da das Unternehmen sehr auf die rechtzeitige Lieferung hochwertiger Materialien und Komponenten durch seine Zulieferer angewiesen ist.

    Zusätzlich ist die unternehmerische Verantwortung der TRATON GROUP, die Menschenrechte und die Umwelt zu respektieren, im Geschäftsbereich des Unternehmens selbst sowie in den Geschäftsbeziehungen, die in seinem Einflussbereich liegen, fest verankert. Die TRATON-Grundsatzerklärung zu Menschenrechten umfasst die Verpflichtung zur Einhaltung der geltenden nationalen und internationalen Menschenrechtsgesetze. Aufgrund der internationalen Geschäftstätigkeit der TRATON GROUP können diesbezügliche Risiken jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden.

    Der Erfolg der TRATON GROUP hängt vom unterbrechungsfreien Ablauf der Fertigungsprozesse ab. Unvorhergesehene Betriebsstörungen in Produktionsanlagen stellen ein Risiko dar und können durch verschiedene Ereignisse verursacht werden, z.B. Wartungsunterbrechung, Stromausfälle, Anlagenausfälle, Brände, Überschwemmungen, soziale Unruhen oder terroristische Aktionen, Risiken für die Gesundheit der Allgemeinheit, Arbeitskonflikte oder sonstige operative Probleme. Außerdem können aufgrund von Unfällen oder technischen Störungen in Produktionsanlagen Wasser, Boden und Luft durch umweltgefährdende Stoffe verunreinigt werden. Dagegen hat die TRATON GROUP vielfältige präventive und detektive Maßnahmen ergriffen. Hierzu gehören vorbeugende Anlagenwartung und -instandhaltung, regelmäßige Kontrollen durch Fachpersonal, Begehungen vor Ort, Gefahrenabwehrpläne, Gefahrstoffmanagement und Werksfeuerwehren.

    Aufgrund des starken Wettbewerbs in der Nutzfahrzeugbranche sind Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und der Profitabilität unabdingbar. Im Fokus der TRATON GROUP stehen signifikante langfristige Synergien aus gruppenweiten Kooperationsinitiativen in den Bereichen Beschaffung, Modularisierung von Teilen und Komponenten, gemeinsame Antriebsplattform, neue Technologien, Produktions- und Logistikstandorte sowie Forschung & Entwicklung. TRATON hat außerdem für jede seiner Marken Initiativen zur Steigerung der operativen Effizienz eingeführt. Trotzdem ist damit nicht garantiert, dass diese Programme die angestrebten Verbesserungen dauerhaft erzielen oder dass nicht doch höhere Umsetzungskosten als erwartet entstehen.

    Die Geschäftsprozesse der TRATON GROUP hängen in hohem Maße von der Informationstechnologie ab. Neben der Chance, die operative Effizienz und Effektivität von TRATON zu steigern, birgt dies auch Risiken. Teile der Infrastruktur können durch Unfälle, Katastrophen, technische Schäden, veraltete Technologie oder Cyber-Attacken ausfallen und damit Geschäftsprozesse beeinträchtigen oder vollständig zum Erliegen bringen. Zudem besteht das Risiko des unbefugten Zugriffs auf vertrauliche Geschäftsdaten und -informationen, die in den IT-Systemen des Unternehmens oder seiner Geschäftspartner hinterlegt sind. Um die Verfügbarkeit, Integrität und Vertraulichkeit von Informationen zu gewährleisten, setzt die TRATON GROUP auf ein risikoorientiertes Managementsystem der Informationssicherheit wie auch auf eine Kombination aus modernen Hard- und Softwaretechnologien, effektiven IT-Organisationsmechanismen und einem IT-bezogenen internen Kontrollsystem.

    Des Weiteren hängt der Unternehmenserfolg davon ab, dass sich die TRATON GROUP durch ihre Human-Resources-Strategie hervorhebt. Die Berücksichtigung externer Faktoren – demografische Verschiebungen, Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt und regulatorische Änderungen im Arbeitsrecht – gewährleistet, dass das strategische Programm anpassungsfähig und konform bleibt. Die TRATON GROUP nutzt die Stärke ihrer Marken, konzentriert sich auf gemeinsame, vorrangige Themen und setzt die gemeinsamen Ressourcen effektiv ein, um den Erfolg des Unternehmens zu sichern. Der Kernpunkt ist, das Potenzial der Mitarbeiter zu nutzen, um die strategischen Ziele zu erreichen und gleichzeitig potenzielle Herausforderungen wie den Verlust oder die Nichtnutzung von Know-how abzumildern. Die Gewinnung, Entwicklung und Bindung von Talenten sind daher von entscheidender Bedeutung. Die Optimierung von Rekrutierungs-, Personalentwicklungs- und Personalbindungsstrategien ermöglicht es TRATON, die Risiken des Talentmangels zu mindern und bietet Möglichkeiten, erfahrene Führungskräfte und Mitarbeiter für die TRATON GROUP zu gewinnen, einzustellen, zu entwickeln und zu halten. Das TRATON-Managementteam verfügt über umfassendes Know-how sowie Branchenerfahrung und der Verlust von Schlüsselpersonen des Managements oder von Mitarbeitern mit wesentlichen Kernkompetenzen kann sich negativ auf die Fähigkeit auswirken, die strategischen Ziele der TRATON GROUP umzusetzen. Die Gewinnung und Bindung solcher Mitarbeiter setzt eine Vielzahl von Faktoren voraus. TRATON hat sich dafür u.a. das Ziel gesetzt, ein bevorzugter Arbeitgeber zu werden und zu bleiben. Dazu gehören eine starke Organisationskultur, flexible Arbeitsmöglichkeiten, verschiedene Vergütungsprogramme und Zusatzleistungen, ein attraktives Arbeitsumfeld, gute Aufstiegsmöglichkeiten, die Förderung der Vielfalt, hohe Gesundheits- und Sicherheitsstandards sowie ein positives öffentliches Image.

    Rechts- & Compliance-Risiken

    Im Rahmen ihrer normalen Geschäftstätigkeit ist die TRATON GROUP mit verschiedenen Rechtsstreitigkeiten und rechtlichen Verfahren konfrontiert. Einige der damit einhergehenden Risiken sind bedeutsam. Für weitere Details wird auf den Abschnitt „Wesentliche Rechtsstreitigkeiten“ verwiesen. Des Weiteren drohen bei Nichteinhaltung von gesetzlichen Vorgaben und Verordnungen behördliche Verfahren. Im Zusammenhang mit ihrer globalen Geschäftstätigkeit muss die TRATON GROUP ein breites Spektrum an rechtlichen und regulatorischen Anforderungen einhalten. Verstöße können sowohl zivilrechtlich als auch strafrechtlich mit Bußgeldern und Haftstrafen geahndet werden. Darüber hinaus könnte sich jeder Verstoß negativ auf die Reputation der TRATON GROUP auswirken.

    Insbesondere unterliegt die TRATON GROUP den kartellrechtlichen Verordnungen in der EU und anderen Rechtsordnungen und ist daher Risiken hinsichtlich damit verbundener Durchsetzungsmaßnahmen und Schadenersatzforderungen ausgesetzt. Aufgrund der zunehmenden Konzentration des Wettbewerbs in der Nutzfahrzeugindustrie wird die Branche durch die Kartellbehörden verstärkt kontrolliert. Die Feststellung eines Verstoßes gegen kartellrechtliche Verordnungen könnte sich in verschiedenster Weise nachteilig auf die TRATON GROUP auswirken, u.a. durch hohe Geldbußen, Schadenersatzforderungen, Offenlegung und Änderungen von Geschäftspraktiken und Rufschädigungen.

    Für die TRATON GROUP gelten Datenschutzvorgaben in Bezug auf u.a. die Nutzung und die Weitergabe personenbezogener Daten sowie die Vertraulichkeit, die Integrität und die Verfügbarkeit solcher Daten. Insbesondere unterliegt TRATON den strengen Vorgaben durch die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) der EU, die seit Mai 2018 in Kraft ist. Sollte TRATON die Anforderungen dieser Verordnung nicht einhalten, könnte dies zu Schadenersatzforderungen und anderen Haftungsansprüchen, signifikanten Geldbußen und anderen Strafzahlungen sowie Kundenverlust und Rufschädigung führen.

    Die weltweite Präsenz der TRATON GROUP und die Vielzahl ihrer Produkte und Dienstleistungen sind mit Risiken durch Verletzung von Patenten der TRATON GROUP durch Dritte und durch die unerlaubte Weitergabe von unternehmensspezifischem TRATON-Know-how durch Dritte verbunden. Um diesen Risiken zu begegnen, prüft das Unternehmen die jeweilige Rechtslage im Einzelfall, ggf. mit Unterstützung externer Rechtsberatung. Auf diese Weise kann TRATON ungerechtfertigte Ansprüche abwenden und eigene Ansprüche durchsetzen. Des Weiteren hat die TRATON GROUP ein umfassendes Compliance-Programm mit Schwerpunkten u.a. auf Korruptionsbekämpfung, Kartellrecht, Verhinderung von Geldwäsche sowie auf Wirtschaft und Menschenrechte eingerichtet und erweitert dieses kontinuierlich.

    Finanzielle Risiken

    Die TRATON GROUP ist aufgrund ihrer globalen Geschäftstätigkeit und internationalen Ausrichtung in bedeutsamem Maße finanziellen Risiken ausgesetzt. Die vorherrschenden geopolitischen Unsicherheiten wie der Krieg in der Ukraine, Spannungen zwischen den USA, der EU, China und anderen Ländern hinsichtlich Handelsbarrieren sowie der Konflikt im Nahen Osten wirken sich auf Wechselkursrisiken, Liquiditätsrisiken, Zinsrisiken und Rohstoffpreisrisiken aus. Diesen Risiken begegnet die TRATON GROUP mit einem gruppenweiten Finanzrisikomanagement.

    Wenn die TRATON GROUP Transaktionen in einer anderen Währung als ihrer funktionalen Währung durchführt, ist sie einem Währungsrisiko ausgesetzt. Die TRATON GROUP sichert daher Währungsrisiken aus Forderungen und Verbindlichkeiten und aus dem bestehenden Auftragsbestand sowie aus weiterem geplanten Absatz teilweise ab. Durch die Einbeziehung von Tochtergesellschaften oder anderen mit der Gesellschaft verbundenen nachgeordneten Unternehmen aus Ländern außerhalb des Euroraums in den Konzernabschluss bestehen aufgrund der Währungsumrechnung Risiken und Chancen. Diese Translationsrisiken sichert TRATON grundsätzlich nicht durch derivative Finanzinstrumente ab.

    Zinsrisiken entstehen aus zinssensitiven Vermögenswerten und Verbindlichkeiten. Das Zinsrisikomanagement verfolgt das Ziel, diese Risiken durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente weitgehend zu reduzieren.

    Für die Herstellung der Produkte der TRATON GROUP werden Rohstoffe benötigt. Aus den Preisentwicklungen auf den Rohstoffmärkten oder Preisgleitklauseln bei Lieferantenverträgen können sich Rohstoffpreisrisiken ergeben. Diesen Risiken wird durch langfristige Lieferverträge, durch Preisgleitklauseln in Kundenverträgen und durch gezielte Rohstoffpreissicherungen im Bankenmarkt begegnet.

    Das Liquiditätsrisiko beschreibt die Gefahr, dass die TRATON GROUP ihren finanziellen Verpflichtungen nicht in ausreichendem Maße nachkommen könnte. Um zu jeder Zeit eine ausreichende Liquidität sicherzustellen, werden die Mittelzuflüsse und -abflüsse fortlaufend überwacht und gesteuert. Ferner wird die Entwicklung der Liquidität der TRATON GROUP im Rahmen einer detaillierten Finanzplanung überwacht. Das Finanzmanagement der TRATON GROUP unterhält automatisierte Cash Pools, soweit dies rechtlich und wirtschaftlich angemessen und durchführbar ist.

    Zur externen Finanzierung werden die sich an den Finanzmärkten bietenden Möglichkeiten fortlaufend verfolgt, um die finanzielle Flexibilität der TRATON GROUP zu sichern. Zudem hat die TRATON GROUP Zugang zur internen Finanzierung innerhalb der Volkswagen Gruppe.

    Das Kreditrisiko beschreibt die Gefahr, dass ein Vertragspartner seinen vertraglichen Verpflichtungen aufgrund seiner eigenen wirtschaftlichen Situation oder des politischen Umfelds nicht nachkommt und damit einen finanziellen Verlust für die TRATON GROUP verursacht. Das Kreditrisiko wird durch die sorgfältige Auswahl der Geschäftspartner, geeignete Vertrags- und Zahlungsbedingungen sowie durch Bürgschaften und Akkreditive reduziert. Ferner wird durch zentrales Cash Management verbunden mit einem Limit-Vergabesystem die Anlage flüssiger Mittel auf mehrere Finanzinstitute verteilt.

    Die TRATON GROUP ist dem Risiko einer ergebniswirksamen Wertminderung ausgesetzt, wenn sich eine Wertminderung von nach der Equity-Methode bilanzierten Beteiligungen ergibt.

    Das Unternehmen gewährt seinen Mitarbeitern Pensionszusagen und sonstige langfristige Leistungen. Der Barwert dieser Verbindlichkeiten hängt im Wesentlichen ab von dem für die Abzinsung künftiger Leistungen verwendeten Diskontierungszinssatz, von der Inflationsrate als Basis künftiger Leistungsanpassungen, von der erwarteten Entgeltentwicklung, von der Entwicklung der Kranken- und Pflegekassenbeiträge, von den zu leistenden Beitragszahlungen sowie von der Lebenserwartung der begünstigten Mitarbeiter. Um die mit Pensionszusagen verbundenen Finanzrisiken zu reduzieren, sind einige Pensionspläne freiwillig oder verpflichtend über ein Pensionsvermögen finanziert, welches bilanziell gegen die Pensionsverbindlichkeiten saldiert werden kann. Der Marktwert dieses Pensionsvermögens kann insbesondere durch sich verändernde Währungskurse, Zinsniveaus, Kreditrisiken und Wertpapierpreise negativ beeinflusst werden. Jede wesentliche Erhöhung des Barwerts der von TRATON gewährten Pensionszusagen und sonstigen langfristigen Leistungen an Mitarbeiter und/oder deutlich nachgebende Marktwerte des Pensionsvermögens können eine signifikant negative Auswirkung auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der TRATON GROUP haben.

    Die Finanzplanung der TRATON GROUP basiert auf Annahmen, die vom Management der Gruppe getroffen werden. Diese Annahmen beziehen sich auf die geschäftliche Entwicklung und andere externe Faktoren, die schwer vorherzusagen sind oder nicht von TRATON beeinflusst werden können, sowie auf teilweise noch umzusetzende Maßnahmen. Daher besteht ein Risiko, dass die der Planung zugrunde liegenden Annahmen unvollständig oder inkorrekt sein können und daraus eine Abweichung zwischen geplantem und tatsächlichem Ergebnis entstehen kann. Es können sich für TRATON auch Chancen ergeben, falls die tatsächliche Entwicklung positiv von der erwarteten abweicht.

    Außerdem unterliegt die TRATON GROUP der Ertragsteuer und weiteren Steuern in einer Vielzahl von Steuerhoheiten. Die Ermittlung der Rückstellungen für Ertragsteuern, Umsatzsteuern und sonstigen Steuern, einschließlich Quellensteuern, erfolgt im Wesentlichen auf Basis von verantwortungsvollen Ermessensentscheidungen und Schätzungen von Besteuerungsgrundlagen. Dementsprechend sind die finalen Steuerfestsetzungen oder der zeitliche Eintritt der steuerlichen Auswirkungen bei verschiedenen Transaktionen und Berechnungen im Rahmen des gewöhnlichen Geschäftsbetriebs mit gewissen Unsicherheiten behaftet, z.B. bei gruppeninternen Transaktionen und Verrechnungspreisen über verschiedene Rechtsordnungen sowie bei Transaktionen mit besonderen Dokumentationsvorgaben.

    TRATON unterliegt regelmäßigen steuerlichen Außenprüfungen durch die zuständigen Steuerbehörden, die im Hinblick auf die berücksichtigten Steuerpositionen zu abweichenden Ergebnissen kommen können. Auch wenn die TRATON GROUP die ausgewiesenen Steuerpositionen für angemessen hält, kann die Durchführung einer steuerlichen Außenprüfung Einfluss auf die ausgewiesenen Steuerpositionen haben. In der Folge können auf TRATON zusätzliche Steuerverbindlichkeiten, Zinsen, Strafzahlungen oder regulatorische, administrative oder sonstige damit im Zusammenhang stehende Sanktionen zukommen.

    Aggregierte Darstellung auf der Basis von Risikokategorien

    Im Zusammengefassten Lagebericht sind Risiken aufgeführt, die auf Basis quantitativer und qualitativer Kriterien wesentliche Auswirkungen auf die Erreichung der Unternehmensziele oder auf die Gesellschaft oder die Umwelt haben könnten. Im ERM-Prozess sind für die interne Risikoberichterstattung markenspezifische Wertgrenzen zwischen 7,5 und 15 Mio € Netto-Schadenshöhe definiert. Diese Kriterien werden regelmäßig validiert und ggf. angepasst.

    Für die Aggregation der Risiken wird eine Monte-Carlo-Simulation durchgeführt. Dafür werden für die identifizierten Risiken ihre jeweiligen potenziellen Schadenshöhen und Eintrittswahrscheinlichkeiten gemäß einer Nettobewertung herangezogen, wobei bereits umgesetzte, risikomindernde Maßnahmen berücksichtigt werden. Das Ergebnis der Monte-Carlo-Simulation je Risikokategorie wird ins Verhältnis zum geplanten operativen Ergebnis der TRATON GROUP gestellt, um eine entsprechende Risikoklasse abzuleiten. Die untenstehende Matrix bildet dafür den Rahmen. Mehr Risiken und höher bewertete Risiken führen daher zu einer höheren Risikoklasse, ein höheres geplantes operatives Ergebnis bei unveränderter Risikobewertung dagegen zu einer niedrigeren Risikoklasse.

    Risiken der Risikokategorie Strategische Risiken haben typischerweise eine langfristige Auswirkung, die kurzfristig schwer zu quantifizieren ist. Daher quantifiziert TRATON diese Risiken nicht. Die Risikoklasse dieser Risiken basiert daher auf einer Experteneinschätzung.

    Die drei Risikoklassen (niedrig, mittel, hoch) und die beschriebenen Risikokategorien bilden die Basis für die folgende tabellarische Darstellung, in der die aggregierte Risikosituation der berichteten Risiken je Risikokategorie dargestellt ist:

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    Risikokategorie Risikoklasse aktuell
    (Geschäftsbericht 2025)
    Risikoklasse Vorjahr
    (Geschäftsbericht 2024)
    Strategische Risiken Hoch Hoch
    Marktrisiken Hoch Mittel
    Operative Geschäftsrisiken Hoch Hoch
    Rechts- & Compliance-Risiken Hoch Hoch
    Finanzielle Risiken Hoch Hoch

    Das aktuelle geopolitische Umfeld sowie Unklarheit bei der Emissionsregulierung, zunehmende Handelsbarrieren, Herausforderungen in den Lieferketten und zukünftige Entwicklungen bzgl. der Kosten von Zukaufteilen, Energie und Rohmaterialien begründen ein weiterhin hohes Maß an Unsicherheit. Dies führt dazu, dass die Risikokategorien Strategische Risiken, Operative Geschäftsrisiken, Rechts- & Compliance-Risiken sowie Finanzielle Risiken unverändert zur Bewertung im Vorjahr als hoch bewertet werden. Die Risikokategorie Marktrisiken wird nun nicht mehr als mittel, sondern als hoch bewertet, vor allem weil ein schwieriges Marktumfeld zu erwarten ist.

    Gesamtbewertung der Risiko- und Chancenposition der TRATON GROUP

    Auf Grundlage der eigenen Einschätzung haben die Risiken aus der Risikokategorie Marktrisiken die bedeutsamsten Auswirkungen auf die TRATON GROUP. Diese umfassen neben der allgemeinen Konjunkturabhängigkeit und dem intensiven Wettbewerb in der Nutzfahrzeugbranche auch das wirtschaftliche Umfeld. Wachsende geopolitische Spannungen zwischen den USA, der EU, China und anderen Ländern führen zu zunehmenden Handelsbarrieren und protektionistischen Maßnahmen (z.B. neue oder höhere Zölle durch die US-Administration oder mögliche weltweite Gegenreaktionen dazu). Dies kann sich negativ auf das Absatzvolumen und die Margen auswirken. Im Bereich der Strategischen Risiken stehen insbesondere die Anforderungen und die Risiken aus der längerfristigen Regulierung von CO2-Emissionen in der EU und aus Unsicherheit bzgl. der Vorschriften zur Emission von CO2 und Stickstoffoxiden (NOx) in Nordamerika im Fokus. Operative Geschäftsrisiken bestehen vor allem aus Risiken in der Lieferkette, aus Risiken im Zusammenhang mit EU-CO2-Strafen bei Überschreitung von Flottengrenzwerten und aus allgemeinen Risiken im Zusammenhang mit dem Anstieg von Rohstoffkosten. Während die Operativen Geschäftsrisiken im Geschäftsbericht 2024 das größte Risiko für TRATON darstellten, sind diese im Berichtsjahr geringer ausgeprägt als die Marktrisiken. Rechts- & Compliance-Risiken umfassen wesentliche Risiken aus Rechtsstreitigkeiten, die die TRATON GROUP betreffen. Im Bereich der Finanziellen Risiken sind weiterhin zukünftige Währungsentwicklungen mit wesentlicher Unsicherheit behaftet, die sowohl vorteilhafte als auch nachteilige Auswirkungen für die TRATON GROUP ergeben können.

    Insgesamt ist die TRATON GROUP einem hohen Maß an Unsicherheit ausgesetzt, das sie nur teilweise selbst beeinflussen kann. In der Gesamtheit überwiegen die beschriebenen Risiken im Allgemeinen die entsprechenden Chancen. TRATON hat festgestellt, dass keine Risiken vorliegen, die sich einzeln oder in Verbindung mit anderen Risiken bestandsgefährdend auswirken könnten.

    Aufgrund der hohen Dynamik des aktuellen Geschäftsumfelds wird das Unternehmen seine Hauptrisiken und -chancen auch zukünftig engmaschig überwachen.

    Wesentliche Rechtsstreitigkeiten

    MAN und Scania/EU-Kartellverfahren

    Im Juli 2016 schloss die Europäische Kommission mit MAN und vier weiteren europäischen Lkw-Herstellern (mit Ausnahme von Scania) Vergleiche (die „Vergleichsentscheidung“). Darin stellte sie fest, dass Absprachen über Preise sowie den Zeitplan und die Weitergabe der Kosten für Emissionstechnologien für mittelschwere und schwere Lkw vom 17. Januar 1997 bis zum 18. Januar 2011 (für MAN: bis zum 20. September 2010) stattgefunden hätten. MAN wurde eine Geldbuße erlassen, da es diese Verhaltensweisen der Europäischen Kommission im September 2010 angezeigt hatte. Scania entschied, keinen Antrag auf Kronzeugenregelung zu stellen und dieses Kartellverfahren nicht beizulegen, und wurde durch eine Entscheidung der Europäischen Kommission vom 27. September 2017 (die „Scania-Entscheidung“) mit einer Geldbuße von etwa 880,5 Mio € belegt. Scania legte beim Gericht der Europäischen Union Rechtsmittel gegen die Scania-Entscheidung ein und beantragte eine vollständige Aufhebung. Mit Urteil vom 2. Februar 2022 wies das Europäische Gericht die Klage von Scania ab und bestätigte die von der Europäischen Kommission verhängte Geldbuße. Scania hat am 8. April 2022 Rechtsmittel beim Europäischen Gerichtshof gegen das Urteil des Gerichts der Europäischen Union vom 2. Februar 2022 eingelegt. Die Zahlung der Geldbuße aus dem EU-Kartellverfahren in Höhe von 880,5 Mio € zuzüglich Zinsen erfolgte am 12. April 2022 zur Vermeidung zusätzlicher Zinslasten. Am 1. Februar 2024 entschied der Europäische Gerichtshof, die Berufung von Scania zurückzuweisen, und bestätigte das frühere Urteil. Infolge der Vergleichsentscheidung hat eine Reihe von direkten und indirekten Kunden in unterschiedlichen Jurisdiktionen Klagen gegen MAN und/oder Scania erhoben oder ist solchen beigetreten. Seit der Verschmelzung der MAN SE auf die TRATON SE hat die TRATON SE als Rechtsnachfolgerin in den meisten Jurisdiktionen die Rolle der MAN SE in den jeweiligen Verfahren übernommen (und ist insoweit von der Bezeichnung „MAN-Gesellschaften“ umfasst). Auch mit Blick auf eine etwaige zwischenzeitlich eingetretene Verjährung nach dem jeweiligen nationalen Recht ist nicht auszuschließen, dass noch weitere Klagen folgen. Die gegen MAN-Gesellschaften anhängigen Verfahren variieren in ihrem Umfang erheblich; während manche Kläger lediglich einen einzelnen Lkw gekauft oder geleast haben, sind in anderen Verfahren eine Vielzahl von Lkw Streitgegenstand. Darüber hinaus wurden manche dieser Schadenersatzforderungen in Sammelklagen zusammengefasst oder an sogenannte Klagevehikel abgetreten. Direkte und indirekte Kunden haben in unterschiedlichen Jurisdiktionen Klagen gegen Scania erhoben oder sind solchen beigetreten. Des Weiteren ist bei Scania eine Reihe von Streitverkündungen von anderen verklagten Nutzfahrzeugherstellern eingegangen. Wie im Fall von MAN unterscheiden sich die gegen Scania anhängigen Verfahren im Umfang erheblich, da einige Kunden lediglich einen Lkw gekauft oder geleast haben, während andere eine ganze Nutzfahrzeugflotte betreiben. Darüber hinaus wurden manche dieser Schadenersatzklagen in anderen Jurisdiktionen in Sammelklagen zusammengefasst oder an sogenannte Klagevehikel abgetreten.

    MAN und Scania sind der Ansicht, dass es fundierte Argumente gegen solche Ansprüche gibt, und ergreifen geeignete Maßnahmen, um sich zu verteidigen. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass diese Ansprüche zu erheblichen Verbindlichkeiten für MAN und/oder Scania führen, einschließlich erheblicher Kosten für ihre Verteidigung, was sich wesentlich nachteilig auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage von MAN und/oder Scania auswirken könnte. Angesichts der Komplexität dieser Klagen und der unterschiedlichen Phasen der Verfahren (wobei sich eine Reihe von Fällen noch in einem relativ frühen Stadium befindet) ist es nicht möglich, eine verlässliche Schätzung der Gesamtverbindlichkeiten vorzunehmen, die sich aus diesen Klagen ergeben könnten. MAN und Scania beobachten die Entwicklung kontinuierlich und bewerten die jeweiligen Risiken regelmäßig neu.

    TRATON verzeichnete einen negativen Einfluss auf das Operative Ergebnis in Höhe von 173 Mio € (162 Mio €) für Verfahren, in denen infolge einer Neubewertung der Risiken mehr für eine abschließende, letztinstanzliche Entscheidung, nach der MAN oder Scania Schadenersatz zahlen müsste, spricht als dagegen. Gemäß IAS 37 Rückstellungen, Eventualverbindlichkeiten und Eventualforderungen (Textziffer 92) werden keine weiteren Informationen offengelegt, um die Position von TRATON nicht zu beeinträchtigen.

    VW Truck & Bus Ltda.

    Im Steuerverfahren zwischen Volkswagen Truck & Bus Indústria e Comércio de Veículos Ltda. (VW Truck & Bus Ltda.), die früher MAN Latin America Indústria e Comércio de Veículos Ltda. (MAN Latin America) hieß, und der brasilianischen Finanzverwaltung vertrat die Finanzverwaltung eine andere Sicht hinsichtlich der steuerlichen Auswirkungen der von der MAN SE (in der Zwischenzeit auf die TRATON SE verschmolzen) beim Erwerb von VW Truck & Bus Ltda. 2009 gewählten Erwerbsstruktur. Das Steuerverfahren wurde in zwei Prüfungsperioden aufgeteilt, die die Jahre 2009–2011 (Phase 1) und 2012–2014 (Phase 2) umfassen. Im Dezember 2017 ist im sogenannten Administrative-Court-Verfahren ein erstes letztinstanzliches, für VW Truck & Bus Ltda. negatives Urteil ergangen (Phase 1). Gegen dieses Urteil hat VW Truck & Bus Ltda. vor dem regulären Gericht im Jahr 2018 Klage erhoben. Diese Klage wurde im Jahr 2019 abgewiesen, und es wurde gegen die Abweisung Berufung eingelegt. Die Berufung wurde sodann im Juni 2023 abgewiesen und Revision im Juli 2023 eingelegt. In dem Phase 2 betreffenden Steuerverfahren konnte ein Teilerfolg erzielt werden, der die Strafen teilweise reduziert. Gegen diese Entscheidung wurde Berufung eingelegt, welche im September 2023 abgelehnt wurde, sodass das Administrative-Court-Verfahren beendet ist. Aufgrund eines neuen Gesetzes zum Umgang mit Stichwahlentscheidungen im September 2023 legte VW Truck & Bus Ltda. im Oktober 2023 Einspruch gegen die Festsetzungen ein. Im Mai 2024 erfolgte durch die Gesetzesänderung bereits eine wesentliche Reduktion der Strafen in der Phase 2. Im November 2024 wurde schließlich die vollständige Aufhebung der Strafen der Phase 2 erreicht. Im Mai 2025 überprüfte die brasilianische Generalstaatsanwaltschaft des Nationalen Schatzamts Phase 1 des Verfahrens. Aufgrund der Prüfung reduzierte sich der Streitwert durch den teilweisen Abzug von Strafen, der entsprechenden Zinsen und der zugehörigen Verfahrenskosten.

    Die betragsmäßige Abschätzung des Risikos für den Fall, dass sich die Finanzverwaltung insgesamt mit ihrer Auffassung durchsetzen könnte, ist aufgrund der Verschiedenheit der ggf. nach brasilianischem Recht zur Anwendung kommenden Strafzuschläge nebst Zinsen mit Unsicherheit behaftet. Durch den Teilerfolg in Phase 1 hat sich das Risiko von rund 3,1 Mrd BRL (477 Mio €; Umrechnung: 31. Dezember 2024) auf rund 2,4 Mrd BRL (366 Mio €; Umrechnung: 31. Dezember 2025) für den beklagten Gesamtzeitraum ab 2009 reduziert.

    MAN SE-Merger-Squeeze-Out

    Am 31. August 2021 wurde die Verschmelzung der MAN SE auf die TRATON SE in die Handelsregister der MAN SE und TRATON SE eingetragen. Somit ist die MAN SE als eigenständiger Rechtsträger erloschen, und alle Rechte und Pflichten sind auf die TRATON SE übergegangen. Gleichzeitig wurde die Notierung der MAN SE-Aktien an den Börsen eingestellt.

    Die Auszahlung der Barabfindung in Höhe von 70,68 € je Stamm- und Vorzugsaktie an die MAN SE-Minderheitsaktionäre ist am 3. September 2021 erfolgt. Damit ist der MAN SE-Merger-Squeeze-Out abgeschlossen. Die Angemessenheit der Barabfindung wird durch ein gerichtliches Spruchverfahren überprüft, das von betroffenen Minderheitsaktionären als Antragssteller eingeleitet wurde.

    Durch nicht rechtskräftigen Beschluss vom 20. Dezember 2024 hat das Landgericht München I die Barabfindung auf 79,71 € je Stamm- und Vorzugsaktie erhöht. Sowohl verschiedene Antragssteller als auch die TRATON SE haben im Januar 2025 gegen diesen Beschluss Beschwerde eingelegt. Aktuell ist das Spruchverfahren in zweiter Instanz beim Bayerischen Obersten Landesgericht rechtshängig. Für den Vorgang wurden im Geschäftsjahr 2025 Aufwendungen in Höhe von 3 Mio € (98 Mio €) im Übrigen Finanzergebnis und im Zinsaufwand erfasst.